Was ist eigentlich die Blende? – Teil 1

Was ist eigentlich die Blende? – Teil 1

Die Blende ist, neben der Belichtungszeit, einer der wenigen Faktoren, welche man auch im Digitalen Zeitalter nicht im Nachhinein verändern kann.

Doch was ist die Blende eigentlich? Weshalb steht eine kleinere Zahl für eine grössere Blende? Wie kann man diese als Gestaltungsmittel einsetzen? Und wie kommt es, dass die Zahlen so krumm sind? Dies und noch mehr will ich in einer Reihe von Blog-Posts in Angriff nehmen.

Was ist die Blende?

Wikipedia meint dazu:

Die Blende ist eine (normalerweise mechanische) Vorrichtung an Kameras, mit deren Hilfe der Lichtdurchlass durch das optische System (Objektiv) verändert werden kann. Sie ist meist als Lamellenblende (auch Irisblende genannt) ausgeführt, bei der sich kreisförmig angeordnete Lamellen-Bleche so ineinander verschieben, dass der Lichtdurchlass enger oder weiter und so das einfallende Lichtbündel kleiner oder größer wird. Die Blende ist dabei so im Strahlengang positioniert, dass sie nur als Aperturblende und nicht als Gesichtsfeldblende wirkt. Von der Wahl der Blendenzahl hängen vor allem Belichtungszeit sowie Schärfentiefe ab. Die Blendenzahl gibt das Verhältnis von Brennweite zur Blendenöffnungsweite an.

Einfacher ausgedrückt: Die Blende legt fest, wie weit das Objektiv geöffnet ist und somit auch, wie viel Licht auf den Sensor gelangen kann.

Grosse Zahl, kleine Blende oder Grosse Blende, kleine Zahl

Die Blende wird oft im Format f/Blendenzahl (z.B. f/4 für Blende 4) angegeben. Das zweite Format welches man ab und an antrifft ist 1:Blendenzahl (z.B: 1:4)

Um das zu zeigen, folgend mein Nikon AF Nikkor 50mm 1:1.8 D bei verschiedenen Blendenöffnungen:

Blende 1.8
Blende 2.8
Blende 4
Blende 5.6
Blende 11
Blende 8
Blende 16
Blende 22

 

Für was steht ein Blendenwert, eine Blendenstufe bzw. „eine ganze Blende“?

Ab und an trifft man Aussagen wie „um einen Blendenwert reduzieren“ oder „eine ganze Blende“ an. Dies bezieht sich auf die Blendenreihe, welche ich unten einfüge:

  • Ganze Blende: 1 -> 1.4 -> 2 -> 2.8 -> 4 -> 5.6 -> 8 -> 11 -> 16 -> 22
  • „Halbe Blenden“ dazwischen:  1.2 -> 1.7 -> 2.4 -> 3.4 -> 4.8 -> 6.7 -> 9.5 -> 13 -> 19

Weshalb die Zahlen so „krumm“ sind, werde ich euch in einem späteren Teil erklären.
Wichtig ist, dass eine „ganze Blende“ einer Verdoppelung bzw. Halbierung der Lichtmenge entspricht. Bei den „halben Blenden“ sprechen wir von einem viertel Abweichung der Lichtmenge.

Falls ihr also die Blende von 2.8 auf 1.4 anpasst (2 ganze Blenden: 2.8 -> 2 -> 1.4) werdet ihr viermal soviel Licht auf dem Sensor haben. Den Einfluss auf die Belichtungszeit schauen wir uns gleich im nächsten Kapitel an.

Belichtung abhängig von der Blende

Eine kleinere Blende (bzw. eine grössere Blendenzahl) bedeutet, dass weniger Licht durch die Linse kommt. Falls das Bild gleich hell bleiben soll, muss daher die Belichtungszeit (oder die ISO, mehr dazu später) verändert werden.

Versuchen wir uns mal an einem Beispiel mit folgender Ausgangslage:

  • Wir haben ein perfekt belichtetes Bild erhalten. Die Einstellungen: Blende 8, Belichtungszeit 1 Sekunde, ISO 800
  • Leider ist das Bild leicht verwackelt (Auch Bildstabilisatoren haben ihre Grenzen)

Um der Verwacklung die Stirn zu bieten, möchtet ihr nun die Belichtungszeit auf einen Viertel reduzieren:

  • Bei einem Viertel der Belichtungszeit fällt nur noch ein viertel des Lichts auf den Sensor (macht Sinn)
  • Um die gleiche Belichtung wie zuvor zu erhalten, müsst ihr also irgendwie die Lichtmenge vervierfachen.
  • Da eine Blendenstufe einer Verdoppelung der Lichtmenge entspricht, müssen wir uns also 2 Blendenstufen einsetzen.
    • Erste Blendenstufe: Von Blende 8 auf Blende 5.6
    • Zweite Blendenstufe: Von Blende 5.6 auf Blende 4
  • Mit den neuen Einstellungen: Blende 4, Belichtungszeit 0.25 Sekunden und ISO 800 erreichen wir nun die gleiche Belichtung

Diese Anpassung an den Einstellungen zieht natürlich auch Nebeneffekte mit sich. Auf diese werden wir in weiteren Kapiteln eingehen

  • Schärfentiefe
  • Bewegung von Dritt-Subjekten/-Objekten im Bild (z.B. Person die vor dem fotografierten Gebäude durchläuft)

Übung(en)

So das wars nun mit der Theorie für heute. Da ich ein Vertreter der „Learning by Doing“-Strategie bin, möchte ich euch einige Übungen vorschlagen:

  • Übung 1 (falls die Kamera den A=Aperture Modus sowie eine manuelle ISO Anwahl unterstützt)
    • Stell deine Kamera auf den Modus A=Aperture-Mode (Blendenpriorität). Diesen Modus gibt es bei immer mehr Kameras (teils auch bei Smartphones)
      • Stelle die ISO fix auf einen Wert (z.B. 200)
      • Fotografier ein stillstehendes Motiv mit Blende 16
    • Prüfe nun die Belichtungszeit welche die Kamera verwendet hat
    • Überleg dir nun, welche Belichtungszeit bei Blende 8 und bei Blende 5.6 notwendig wäre.
      • Wenn du das hast, mach nochmals zwei Fotos vom gleichen Motiv, einmal mit Blende 8 und einmal mit Blende 5.6.
      • Stimmen die Belichtungszeiten mit den angedachten Zeiten überein?
      • Kleinere Abweichungen sind durchaus möglich, falls sich z.B. das Licht geändert hat oder du nicht den gleichen Punkt fokussierst.
  • Übung 2 (falls die Kamera den M=Manuellen Modus sowie eine manuelle ISO Anwahl unterstützt)
    • Stell deine Kamera auf den Modus M=Manual-Mode (manueller Modus). Diesen Modus gibt es bei immer mehr Kameras (teils auch bei Smartphones)
      • Stelle die ISO fix auf einen Wert (z.B. 200)
      • Stell die Blende auf 5.6
      • Fokussiere ein stillstehendes Motiv und stell die Belichtungszeit so ein, dass das Bild gut ausgelichtet aussieht. (und behalte das gemachte Foto)
    • Überleg dir nun, welche Blende du verwenden musst, wenn du die Belichtungszeit verdoppeln willst, das Bild aber in etwa gleich hell sein soll.
    • Mach ein Foto mit den neun angedachten Einstellungen
  • Übung 3 – Auch bekannt als „Go out and play“
    • Versuch bei deinem nächsten Fototrip auf die Blende zu achten.
    • Was ändert sich bei der verschiedenen Blenden? Wie beeinflusst es das Bild?

Im nächsten Teil werden wir genauer auf die Schärfentiefe (oder auch Tiefenschärfe) eingehen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.