Blaue Stunde

Blaue Stunde

Die blaue Stunde ist vielen Fotografen ein Begriff, zumindest den Architektur- und Landschaftsfotografen.
Es handelt sich dabei um jene Zeit zwischen Sonnenuntergang und der Nacht, sie bietet ein faszinierendes Naturschauspiel und ist die Zeit des Nachglühens der letzten Sonnenstrahlen. Und so ist sie natürlich ein schönes Leckerli für Fotografen wie uns.

Was bietet die blaue Stunde?

Während der blauen Stunde liefert die Sonne gerade noch genügend Licht um Konturen um euch herum zu erleuchten. Entgegen Aufnahmen am Tag habt ihr es aber nicht mehr mit harten Schattenwürfen zu tun, welche Bilder teilweise mit Details überladen.

Ebenso tritt mit der blauen Stunde oftmals ein wunderschöner Abendhimmel in Erscheinung. So gelingt es eine Landschaft mit einem orange/rötlichen Himmel zu kombinieren, und das ganz ohne Filter und Nachbearbeitung. Der tiefblaue Abendhimmel bildet zusammen mit dem warmen Orange der letzten Sonnenstrahlen eine perfekte Vorlage für tolle Fotos. Schaut man sich die Komponenten des Farbkreises an, stellt man schnell fest, dass Orange und Blau Komplementärfarben sind und so den besonderen Reiz in der Zeit nach dem Sonnenuntergang ausmachen.

So haben insbesondere Gebäude, welche mit orangem Kunstlicht beleuchtet werden ihren Reiz. Achtet aber darauf, dass ihr nicht ein oranges Gebäude vor einem orangen Abendhimmel fotografiert, dass ist dann doch schnell einmal zuviel des guten. Den je nach Intensität der Farben kann der Farbkontrast als harmonisch oder aber als grell und künstlich erscheinen und unsere Sinneseindrücke überfordern.

Wann ist die Blaue Stunde und ist es wirklich eine volle Stunde?

Die blaue Stunde beginnt immer dann, wenn die Sonne untergeht. Wie lange sie dauert ist von verschiedenen Faktoren wie der Jahreszeit und dem Aufnahmeort abhängig. Am besten nutzt ihr ein App (z.B. Golden Hour für Android oder „blaue Stunden“ für euer iPhoneoder eine Webseite wie jene von JeKoPhoto welche(s) euch angibt, von wann bis wann die blaue Stunde bei euch ist. Als grober Anhaltspunkt könnt ihr aber von 30-40 Minuten ausgehen. 

Welche Ausrüstung ist notwendig/empfehlenswert?

  • Ein lichtstarkes Weitwinkel-Objektiv mit oder ohne Bildstabilisator
    • Der Bildstabilisator ist nur notwendig wenn ihr es freihändig versuchen wollt.
    • Es geht auch mit weniger lichtstarken Objektiven. Durch die längere Belichtungszeit kann es aber zu ungewünschten Effekten kommen (z.b. verwehte Baumkronen)
    • Empfehlungen: Tamron SP 15-30mm F/2.8 Di VC USD (Verfügbar für Nikon, Canon und Sony)
  • Ein Stativ ist sehr empfehlenswert
    • Es kann durchaus auch ein Reisestativ oder ein GorillaPod sein.
    • Wichtig ist, dass euer Stativ auch wirklich stabil steht.
    • Ich persönlich bevorzuge mein Rollei C5i Carbon (Aluminium Version tut es auch)
    • Deaktiviert den Bildstabilisator wenn ihr mit einem  Stativ arbeitet (ungewollte Korrekturbewegungen)
    • Alternativ gehen auch Unterlagen wie ein Stein, einer Mauer etc. (Zur Ausrichtung z.b. mit einem Bohnenkissen)
  • Ein Fernauslöser verhindert Verwacklungen durch das Drücken des Auslösers.
    • Notfalls geht natürlich auch die Nutzung des Kamera-WiFi/WLANs und der Hersteller App
  • Denkt immer an Ersatzakkus! An kalten Tagen entleeren sich die Akkus schneller (und immer zum schlechtedzmöglichen Zeitpunkt)

Welche Kameraeinstellungen soll ich verwenden?

  • ISO trotz immer besserer Kameras wie z.b. D750 oder D850 nicht über ISO 400 (am besten 100/200) da es farbenfroher wirkt
  • Fotografiert im RAW Format und eher leicht unterbelichtet (aufhellen geht z.B. in Lightroom deutlich einfacher als abdunkeln, dazu in einem anderen Blog-Beitrag mehr)
  • Bildstabilisator (VR, VC) ausschalten sobald ein Stativ, ein Bohnenkissen oder sonst eine fixe Unterlage verwendet wird (ungewünschte Nachkorrektur durch den VR)
  • Spiegelvorauslösung (Mup) aktivieren. Dadurch klappt der Spiegel deiner DSLR hoch und löst das Foto erst kurz später aus. Dadurch verringerst du Verwacklungen
  • Da die Kamera im Dunkeln teils nicht mehr gut scharfstellen kann, stellst du die Kamera am besten auf den Manuellen Fokus (MF) und stellst von Hand scharf. (die LiveView mit Lupenfunktion kann dir hier einiges helfen). Durch den manuellen Fokus versucht sich die Kamera auch nicht bei jeder Aufnahme neu zu fokussieren.

Aus der Praxis

Aus der Praxis möchte ich noch einen wichtigen Tipp geben: Location Scouting! (also das Suchen und besichten des Aufnahmeorts)

Dies ist bei der blauen Stunde besonders wichtig. Weshalb? Nach 30 Minuten ist die blaue Stunde vorbei. Wenn du nun zuerst 15-20 Minuten rumschaust wo es eine tolle Aufnahme geben könnte ist es also schon fast vorbei. Sei also mindestens 20-30 Minuten vorher vor Ort und richte dich entsprechend ein (Stativ aufstellen, Ausrichtung prüfen etc.)

 

Beispielbilder

Und nun noch einige Bilder von mir, welche während der blauen Stunde entstanden sind:

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